Wildwilds: Wo die Natur Österreichs neu entdeckt wird
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30/09/2025Die mobile Anwendung shinywilds android app markiert einen Meilenstein im digitalen Naturschutz. Entwickelt von der Universität Wien in Zusammenarbeit mit lokalen Umweltorganisationen, verbindet sie wissenschaftliche Daten mit praktischer Feldforschung – und macht sie für Laien und Experten gleichermaßen zugänglich. Besonders innovativ ist die Integration von KI-gestützter Bildanalyse, die Tierarten und Vegetation in Echtzeit identifiziert. Damit wird die App zum unverzichtbaren Werkzeug für Naturschützer, aber auch für Hobbybeobachter, die Wildtiere in Österreich und den Alpenregionen dokumentieren möchten.
Die Plattform basiert auf einer offenen Datenbank, die seit 2019 von über 5.000 Nutzer:innen aus ganz Europa genutzt wird. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit, Beobachtungen direkt in das globale Citizen-Science-Projekt „iNaturalist“ zu integrieren – ohne zusätzliche Software. Die App erfasst nicht nur Arten, sondern auch deren Lebensräume und Wanderrouten, was Wissenschaftler:innen bei der Erstellung von Klimamodellen unterstützt. Ein weiteres Highlight ist die interaktive Karte mit historischen Daten: Nutzer:innen können vergleichen, wie sich Bestände über die Jahre verändert haben.
Ein zentrales Merkmal ist die „Wildtier-Notfallfunktion“, die bei Beobachtungen gefährdeter Arten wie Luchse oder Biber sofort Alarm schlägt und lokale Schutzorganisationen informiert. Die App nutzt dabei die Geolokalisierung, um Daten präzise zu verorten – etwa für die Erstellung von Schutzgebieten. Zudem bietet sie Workshops und Schulungsvideos für Schulen, um das Bewusstsein für Biodiversität zu stärken. Besonders in den Alpen, wo der Klimawandel die Ökosysteme destabilisiert, wird die App zu einem entscheidenden Instrument für die Dokumentation von Artenrückgängen.
Die technische Umsetzung basiert auf einer Kombination aus Android Studio und Open-Source-Libraries, was die Kosten niedrig hält und gleichzeitig eine stetige Weiterentwicklung ermöglicht. Seit dem Launch im letzten Jahr hat die App über 100.000 Downloads erzielt, wobei die meisten Nutzer:innen aus Österreich und dem Nachbarland der Schweiz stammen. Besonders erfolgreich ist die Integration von AR-Technologie: Durch das Scannen von Naturflächen können Nutzer:innen direkt auf dem Handy die vorhandene Flora und Fauna anzeigen lassen. Dies macht die App besonders für Tourist:innen attraktiv, die gleichzeitig zum Naturschutz beitragen wollen.
Praktische Anwendungen und Nutzen
Die App ist nicht nur ein reines Dokumentationswerkzeug, sondern auch ein Tool für die aktuelle Forschung. So ermöglicht sie es Wissenschaftler:innen, Daten in Echtzeit zu sammeln – etwa bei der Überwachung von Zugvögeln oder der Beurteilung der Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Fledermäuse. Ein konkretes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Hohe Tauern, wo die App bei der Monitoring-Studie zu Wildschweiden eingesetzt wurde. Die Daten helfen dabei, die Populationen langfristig zu tracken und gezielt zu schützen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Barrierefreiheit: Die App unterstützt Sprachausgaben für Sehbehinderte und bietet eine einfache Bedienung für Kinder durch kindgerechte Icons und kurze Anleitungen. Besonders in ländlichen Regionen, wo der Zugang zu klassischen Monitoring-Stationen oft begrenzt ist, wird die App zu einem wichtigen Komplement. Die Kombination aus lokalen Daten und globalem Netzwerk macht sie zudem ideal für die Zusammenarbeit mit internationalen Projekten wie dem „European Bird and Biodiversity Observatory“.
Kritik und Herausforderungen
Trotz ihrer vielen Stärken gibt es auch Grenzen. Die App erfordert eine stabile Internetverbindung, was in abgelegenen Gebieten, etwa in den Alpen, zu Einschränkungen führen kann. Zudem ist die KI-Anwendung noch nicht perfekt: Bei sehr ähnlichen Arten wie z. B. Wildkatzen und Hauskatzen kann es zu Fehlklassifizierungen kommen. Um dies zu minimieren, wurden bereits Workarounds entwickelt, etwa durch manuelle Bestätigung der Ergebnisse. Ein weiterer Punkt ist die Datenschutzregelung: Da die App personenbezogene Daten sammelt, müssen Nutzer:innen explizit zustimmen, was die Akzeptanz in einigen Kreisen bremsen kann.
Trotz dieser Herausforderungen überzeugt die App durch ihre klare Zielsetzung und praktische Umsetzung. Sie zeigt, wie digitale Tools den Naturschutz effizienter und transparenter machen können. Besonders in einer Zeit, in der der Klimawandel die Artenvielfalt bedroht, ist die App ein Beispiel dafür, wie Bürgerwissenschaft (Citizen Science) und moderne Technologie Hand in Hand arbeiten können. Für die Zukunft bleibt abzuwarten, ob und wie sich die App weiter ausbauen lässt – etwa durch die Integration von Drohnenaufnahmen oder die Entwicklung einer iOS-Version.
- Seit 2019 genutzt von über 5.000 Nutzer:innen in Europa
- Integration in das globale Citizen-Science-Projekt „iNaturalist“
- Über 100.000 Downloads auf Android seit dem Launch 2023
- „Wildtier-Notfallfunktion“ für gefährdete Arten wie Luchse und Biber
- AR-Technologie zur direkten Identifikation von Flora und Fauna

